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[7] Der Anstieg des Meeresspiegels ist erst mal nicht mehr aufzuhalten

Spielt uns die Antarktis einen Streich?

Dass auf dem Nordpolarmeer die Eisdecke schmilzt, ist bekannt. Aber dies lässt den Meeresspiegel ebenso wenig steigen wie die schmelzenden Eiswürfel im Glas den Whiskeyspiegel. Liegt das Eis jedoch auf festem Grund wie auf Grönland, der Antarktis oder in Gebirgen und rutscht ins Meer, ist das, wie wenn man zusätzlich Eiswürfel ins Whiskeyglas schüttet: Der Spiegel steigt.1

Mit abbrechenden Eisbergen in Grönland werden seit Jahren Klimaberichte im Fernsehen bebildert. Auch die Vorher-Nachher-Fotos von geschrumpften Gebirgsgletschern sind wohlbekannt.

Weniger bekannt ist, welche Gefahr die Gletscher am Südpol, auf dem antarktischen Festland bergen.

Die Antarktis wird zurzeit stellenweise zwar eher kälter, mancherorts schneit es auch mehr. Ein antarktischer Gletscher schmilzt also nicht an der Oberfläche, wie seine Kollegen in Grönland. Wie bei jedem Gletscher ist sein Eis unten durch den gewaltigen Druck aber gleitfähig. So strebt er Richtung Meer. Dort wirkt das Schelfeis, das auf dem Meer vorgelagert ist, offenbar wie ein Korken auf der Flasche und verhindert, dass der Gletscher ins Meer rutscht (und spektakulär ‚kalbt‘, wie in Grönland).

Man hat nun neulich herausgefunden, dass dieses Schelfeis von unten angeknabbert wird, nämlich vom erwärmten Meerwasser. Das Wasser der Ozeane hat bisher den größten Teil – 90 Prozent – der weltweiten Erwärmung geschluckt, und das hat nun Konsequenzen. Das vorgelagerte Schelfeis ist an manchen Stellen schon recht morsch und es kann passieren, dass gigantische Dinger ins Rutschen kommen.2 Der Meeresspiegel könnte ein wenig hüpfen. Dies gilt vor allem für die West-Antarktis (die Landzunge gegenüber Argentinien). Nun hat man den Effekt auch in der Ostantarktis entdeckt.3

Die Ozeane dehnen sich aus – jahrhundertelang

Doch auch ohne dies ist der Anstieg des Meeresspiegels erst einmal nicht mehr aufzuhalten. Zusätzlich zum Schmelzwasser aus Gebirgsgletschern und vor allem von Grönland erwärmen sich nämlich in den Ozeanen große Wassermengen. Dabei dehnen sie sich aus.4 Dies macht bis in die 90er Jahre etwa die Hälfte des Anstiegs aus, seither haben Grönland, Gebirgsgletscher und Antarktis überholt. Diese Wassererwärmung und -Ausdehnung geht immer weiter, auch, wenn die Erwärmung unter zwei Grad bleibt, denn die unteren Schichten der Weltmeere, der allergrößte Teil, haben sich ja noch gar nicht erwärmt und ausgedehnt. Sie werden das aber nach und nach tun5. Es sei denn, man kühlt die Erde wieder herunter. Das geht, siehe [XX] „Negativemissionen“ (noch zu schreiben).

Noch ist der Trend aber ein anderer: Die Durchschnittstemperaturen steigen, und so erwärmt sich auch das Meerwasser immer schneller.6


1. Man nennt dies „eustatischen Meeresspiegelanstieg“. Siehe Ursachen des aktuellen Meeresspiegelanstiegs, http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Ursachen_des_aktuellen_Meeresspiegelanstiegs#cite_note-Chen_2017-4, abgerufen 12.2.18

2. Wie so etwas aussieht, zeigt ein beeindruckender Film, das ein Kamerateam 2008 in Grönland aufgenommen hat. Vier Minuten aus dem Film „Chasing Ice“: https://www.youtube.com/watch?v=hC3VTgIPoGU In der Westantarktis (bei Argentinien) ruht der kilometerdicke Eispanzer zudem auf Felsen, die unter dem Meeresspiegel liegen. Hier unterhöhlt das erwärmte Wasser das Eis wie Karies den Backenzahn.

3. Welt (27.09.2017) Nächster Eisberg weggebrochen – Forscher fürchten Korken-Effekt https://www.welt.de/wissenschaft/article169087681/Naechster-Eisberg-weggebrochen-Forscher-fuerchten-Korken-Effekt.html, abgerufen 12.2.18

4. Dies nennt man „sterischen Meeresspiegelanstieg, s.o., „eustatischer Meeresspiegelanstieg“

5. Die Erwärmung betrifft bis jetzt vor allem die oberen 100 m der Ozeane. Es gibt aber zwei Stellen auf dem Planeten, wo erwärmtes Wasser in der Tiefe versinkt und dann eine tausendjährige Reise auf dem Grund der Meere antritt: Im Südpolarmeer und vor Europas Küsten: der Golfstrom, der im Nordatlantik versinkt. Es kommt dann um das Jahr 3018 herum im nördlichen Pazifik wieder hoch.
Dies heißt „Große Thermohaline Zirkulation“. Schön erklärt hier: Klimafaktor Golfstrom, https://www.youtube.com/watch?v=sbSl_xybcJ0, schön visualisiert hier: Die thermohaline Zirkulation in 3D, https://www.youtube.com/watch?v=Fvuc2TScauw, beide abgerufen am 12.2.18.

6. Hier sind sich die Forscher unsicher, weil sie das brüchige Eis der Antarktis nicht einschätzen können. Doch allgemein heißt es: 50 Zentimeter Anstieg bis 2050, 2 Meter bis 2100. Wie es weiter geht, kann sich nun jeder selbst ausrechnen: Es ist ein exponentielle Anstieg, alle 50 Jahre kommt das Doppelte oben drauf. So wären es 2150: 6 Meter, 2200: 18 Meter (Tschüss Hamburg, 6 m. Aber vielleicht hält der neue Deich ja noch ein paar Jahre), 2250: 54 Meter (Tschüss, Berlin, 34 m). Es sind 80 Meter, die das Eis auf der Erde die Meere steigen lässt, wenn alles geschmolzen ist. Danach geht es (langsamer) weiter, über Jahrtausende, bis alles Wasser aufgewärmt ist und sich ausgedehnt hat. Zur Orientierung: Jetzt sind es 23 Zentimeter an der US-Ostküste; im Norden sind es weniger, in der Südsee mehr.


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