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[15] Reich, reich, reich und unerbittlich: Wie Koch-Brüder und Konsorten garantieren, dass Klimawandel nicht stattfindet

Trump ein Klimawandel-Leugner? Eher ein Klimawandel-Ignorant. Aber seine Kandidatur bringt einen dritten Aspekt der US-amerikanischen Klimawandel-Leugnerei zum Vorschein, wie Michael Tomasky analysiert.
1. Naomi Klein konstatierte nach ihrem Besuch einer Klimaleugner-Konferenz, dass es den Ideologen Morano, Horner, Michaels, Schmitt gar nicht ums Klima ging. Vielmehr fürchten sie, dass Klimawandel nur ein Vehikel für den Sozialismus ist (z.B. hier: The Nation (2011) Capitalism vs. the Climate).
2. Die #ExxonKnew Empörungswelle machte der US-Amerikanischen Öffentlichkeit klar, wie sehr sie jahrzehntelang vom größten Energiekonzern an der Nase herumführt worden waren: Die Klimaerwärmung stritt ExxonMobil mit großem Aufwand öffentlich ab. Gleichzeitig rechnete der Konzern sie bei seinen eigenen Investitionsplanungen heimlich schon mit ein.
3. Michael Tomasky schält nun mit „The Dangerous Election“ einen dritter Aspekt heraus: Die brutale Macht des klimaleugnenden Geldes über die Republikanische Partei.
Ich fasse hier die erste Hälfte seines Artikels vom März 16 in der New York Review of Books zusammen.

 Die Logik hinter Donald Trumps US-Präsidentschaftskandidatur und dem Elend der Republikaner
Tomasky beleuchtet den aktuellen US-Vorwahlkampf, der selbst etablierte Journalisten zum Staunen bringt. Wieso der elefantöse Trump? fragt er und antwortet: Es ist logisch, dass Trump  nach oben gespült wurde. Es ist das Ergebnis von Zwängen und der innerer Logik der Republikaner (der „GOP – Grand Old Party“).
So wie bei den Demokraten die soziale Gerechtigkeit seit Jahrzehnten das Kern-Anliegen ist, sind es bei den Republikanern „Werte und Dominanz des weißen Mannes“. Die Republikaner sind heute getrieben von der Angst vor Ausländern, die diese Werte nicht teilen. Sie haben Angst vor Muslimen, Mexikanern und anderen Latinos.
Trump bedient diese Kern-Angst gut: Muslime, Mexikaner und Konsorten deportieren! Hingegen sind Themen wie Steuern, Abtreibung, Irakkrieg eher zweitrangig. Man darf das nur nicht laut sagen. Trump tut es und rüttelt damit republikanische Dogmen und Tabus durcheinander. So beschuldigte er George W. Busch am 13. Februar 16, den Irakkrieg seinerzeit mit einer bewussten Lüge angezettelt zu haben. Dabei ist die Formulierung republikanisches Dogma, dass der Massenvernichtungswaffen-Vorwurf an den Irak nur ein bedauerliches Versehen der Geheimdienste war. Trump findet auch Clinton gut, und Obamas Gesundheitsversorgung.
Die Republikaner-Granden kriegen Gänsehaus.
Rechts von Trump wahlkämpft Ted Cruz. Noch schlimmer. Seine Partei“freunde“ halten ihn – kurz und ungeschminkt – für ein selbstsüchtiges, verlogenes Arschloch. Alle republikanischen Hoffnungen liegen auf Rubio.
Tomasky nennt drei Gründe, warum sich die Republikanische Partei in diesem Zustand befindet und wie Trump in einem Wut-Strudel nach oben gespült werden konnte:
1. Die Partei hat in den konservativen Medien seit Jahre nur Anti-Obama-Wutschaum verspritzt; im Radio, im Fox-Fernsehen und in unzählige Blogs, Webseiten, in Twitter- und Instagram-Kanälen. Aber eine Vision für Amerika war nicht mehr erkennbar.
2. Die Koch-Brüder und andere Super-Reiche sind die Kandidaten-Macher der Republikaner.
„When one family and its allies control that much money, and those running want it spent supporting them …, what candidate is going to take a position counter to that family …? The Kochs are known, for example, to be implacably opposed to any recognition that man-made climate change is a real danger. So no Republican candidate will buck that. This extends, of course, to practically the whole of Capitol Hill. Not long ago, I talked with Democratic Senator Al Franken of Minnesota, who explained how the Republicans’ fear of facing a Koch-financed primary from the right, should they cast a suspicious vote on climate change, prevented them from acknowledging the scientific facts. And what percentage of them, I asked, do you think really accept those facts deep down? “Oh,” Franken said, “Ninety.” He explained that in committee hearings, for example, witnesses from the Department of Energy come to discuss the department’s renewable energy strategy, “and none of them challenge the need for this stuff.” 
„Wenn eine Familie und ihre Verbündeten über derartig viel Geld verfügen, und wenn man dieses Geld für seinen Wahlkampf aufgewendet haben möchte …, welcher Kandidat wird dann eine Position vertreten, die dieser Familie … widerspricht? So sind die Kochs z.B. dafür bekannt, unerbittlich gegen jede Anerkennung zu sein, dass der vom Menschen verursachten Klimawandel eine reale Gefahr ist. So wird kein Kandidat der Republikaner dem widersprechen. Dies umfasst praktisch den ganzen Capitol Hill. Vor nicht langer Zeit sprach ich mit dem demokratische Senator Al Franken aus Minnesota, der erklärte, wie sehr – sollten sie ein verdächtiges Abstimmungsverhalten beim Klimawandel erkennen lassen – die Angst vor einem Koch-finanziert Vorwahlkandidaten von rechts republikanische Kandidaten daran hinderte, die wissenschaftlichen Fakten anzuerkennen. „Und wie viel Prozent von ihnen“, fragte ich, „glauben Sie, akzeptieren diese Tatsachen tatsächlich, im Grunde ihres Herzens?“ –  „Oh,“ sagte Franken: „Neunzig.“ Er erklärte, dass beispielsweise in Ausschussanhörungen Zeugen des Department of Energy auftreten und die Erneuerbare-Energien-Strategie ihrer Abteilung  diskutieren, „und keiner der Republikaner bestreitet die Notwendigkeit, dieses Thema zu diskutieren.“
Kurzgefasst: Die Kochs sind gegen jegliches Eingeständnis, dass Klimawandel eine Gefahr darstellen könnte. Kein republikanischer Kandidat wird widersprechen. Er müsste fürchten, dass bei den Vorwahlen plötzlich ein besser gesponserter Gegenkandidat auftaucht.
3. Verlorene Vorwahlen läuten oft das Ende von Politikerkarriere ein. Dies ist der dritte Faktor, der die Republikaner heute formt.
Für die Republikaner kommt aller politischer Druck von Rechts, und ausschließlich von rechts. In der Mitte gibt es nicht viel zu gewinnen, hier ist auch nicht das große Geld.
Bei den Demokraten ist dies nicht spiegelgleich, denn es gibt keine analoge Gruppe von links denkenden Multimilliardären, die Gegenkandidaten von weiter links finanzieren würden.
Michael Tomasky (MARCH 24, 2016): The Dangerous Election. In: New York Review of Books (NYRB)

Die New York Review of Books (NYRB) brachte weitere Veröffentlichungen über die Koch-Brüder, zum Beispiel Bill McKibben (MARCH 10, 2016): The Koch Brothers’ New Brand
Dieser Beitrag beleuchtet stärker ihre Psychologie und Machtausübung.

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