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[5] „Klimawandel“ erklärt mit einer Sandburg

Wie erkläre ich „Klimawandel“? Im letzten Urlaub an der Ostsee kann mir eine Idee. Meine kleine Tochter baute eine Sandburg. Besonders reizvoll war das dort, wo die Wellen manchmal gerade so noch hinkommen. Sie war nicht die einzige mit dieser Idee; ging man abends am Strand entlang, war der Rand gesäumt von Sandkunstwerken. Am nächsten Morgen war ein Großteil wieder verschwunden; ein wenig Ebbe und Flut hatte die Ostsee nämlich doch.

Meine Tochter baute also dort, wo die Wellen ab und zu noch hinkamen. Dann musste sie ihre Burg gegen diese Wellen verteidigen, die ab und zu einen Teil wegspülten. Das musste sie natürlich sofort reparieren, und so war sie beschäftigt, eine ziemlich lange Zeit. Währenddessen kam die Flut.

Wellen stehen für Extremwetterereignisse, auflaufendes Wasser für Klimawandel, eine Sandburg steht für die Welt, die wir uns erschaffen haben.

Allmählich, unmerklich für sie, wurden die Wellen stärker. Sie rollten höher an und überspülten immer häufiger immer größere Teile ihrer Burg. Ihre Reparatur-Aktionen wurden hektisch. Irgendwann schmiss sie die Schaufel hin, und wir gingen Pommes essen.

Da fielen mir die Schuppen von den Augen: Das war der anschauliche Vergleich, wie ich ihn gesucht hatte! In drei Schritten:
a) Die Burg steht für unsere Zivilisation. Teile davon sind jetzt schon besonders verletzlich, „vulnerabel“ 1 gegenüber einer Klimaverschlechterung: Orte in Flussauen, Siedlungen am Wüstenrand, Küstenstädte zum Beispiel.
b) Die Wellen stehen für Extremwetterereignisse: tagelange Regengüsse, jahrelange Dürren, Hurrikane, Taifune, Orkane. Es gab sie seit Menschengedenken und die Menschen wurden mit ihnen fertig. Aber irgendwann werden sie es nicht mehr:
c) Die auflaufende Flut ist der Klimawandel. Er kommt unmerklich, er bringt vielleicht nicht häufiger Regen, Dürre, Hitze und Sturm, aber stärker, ganz allmählich. Auf der Hand liegt das Bild beim Meeresspiegelanstieg. 2,9 mm steigt das Meer im Jahresdurchschnitt. Das ist wenig, und in manchen Jahren sank es sogar wieder. Aber gemessen über zum Beispiel 30 Jahre, die es braucht, um eine Klimaveränderung zu attestieren, kommt natürlich schon was zusammen. Heute, 2018, sind es schon etwa 23 cm an der US-Ostküste, die das Meer insgesamt gestiegen ist. New Orleans (Hurrikan Katrina Aug. 2005), New York (Hurrikan Sandy, Okt. 20122), und Boston (Cyclon Grayson, Jan. 20183) wären ohne diese extra 23 Zentimeter glimpflicher davongekommen.

Ein Dammbruch liefert spektakuläre Bilder für die Tagesthemen. Unter der Aufmerksamkeitsschwelle der Medien sind die vielen kleinen Überschwemmungen; immer ein bisschen schlimmer, bis zur Unerträglichkeit. Und diese einzugestehen stellt Hausbesitzer an der US-Ostküste vor eine harte Entscheidung.4

So schlicht: Wellen stehen für Extremwetterereignisse, auflaufendes Wasser für Klimawandel, eine Sandburg steht für die Zivilisation, die wir uns erschaffen haben.


1. Vulnerabel ist ein Begriff aus der Klimaanpassungsforschung, gemeint ist verletzlich gegenüber Klimaveränderungen. Dazu gehören nicht nur gefährdete Standorte, sondern auch mangelndes Vermögen, mit Schäden umzugehen.

2. http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Aktueller_Meeresspiegelanstieg. In New York machte Meeresspiegelanstieg den Unterschied: Hurrican Sandy überflutete die 9/11-Memorial-Baustelle. Al Gore hatte dies in seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ 2007 vorausgesagt. In seiner Fortsetzung 2017 „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ reibt er es seinen Kritikern unter die Nase.

3. Über den Zyklon „Greyson“, der mit Eis vermischtes Salzwasser in Bostons Innenstadt spülte, Autos ruinierte und Container davonschwemmte, schrieb Erika Spanger-Siegfried von der Union of Concerned Scientists, zeigte dramatische Bildern und listete Gründe auf: 4 Key Questions About the Surprising Winter Storm Grayson. https://www.ecowatch.com/winter-storm-grayson-2523638343.html abgerufen 26.1.18

4. When Rising Seas Hit Home: Hard Choices Ahead for Hundreds of US Coastal Communities (2017). Artikel über die Unerträglichkeitsschwelle, mit der sich Küstenorte wie in Charleston, Galverston, Cape May und hunderte andere konfrontiert sehen. http://www.ucsusa.org/global-warming/global-warming-impacts/when-rising-seas-hit-home-chronic-inundation-from-sea-level-rise#.WXPDG6ApCBY, abgerufen 25. Juli 17


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